Michael Schartel über seine Ausbildung zum Informationselektroniker
Michael Schartel schraubt die Rückwand des Fernsehers auf. Auf dem Garantieschein hatte der Kunde reklamiert, dass beim Fernsehbild nach einer Stunde die Farbe ausfällt. „Wahrscheinlich ein Temperaturfehler.“ Michael greift zum Föhn. Den Fernseher eine Stunde laufen lassen, warten bis sich das Gerät erwärmt und der Fehler auftritt? So viel Zeit hat der 18-Jährige in der Reparaturwerkstatt nicht. Da muss er schon ein wenig nachhelfen.
Michael erlernt den Beruf Informationselektroniker mit dem Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik. Sein Ausbildungsbetrieb, das Service-Unternehmen „teknihall“ im hessischen Münster, hat sich auf die Reparatur von Elektrogeräten spezialisiert – für Handelsfirmen, die diese Produkte verkaufen. Käufer, die Probleme mit ihren HiFi-Anlagen, Videorekordern oder DVD-Playern bekommen, wenden sich in diesem Fall zuerst an die Hotline von „teknihall“. Kann den Kunden telefonisch nicht weitergeholfen werden, gelangt die Ware in die Reparaturwerkstatt – und damit zu Michael und seinen Kollegen.
Bei laufendem Fernseher erwärmt Michael mit dem Föhn verschiedene Bauteile auf einer Platine, überprüft sie mit einem Messgerät, versucht den Fehler einzugrenzen. Zwischendurch blättert er in einem Heft: in der Dokumentation. „Dokumentationen sind technische Anleitungen des Herstellers. Darin finde ich vom Schaltplan bis zur Beschreibung der Bauteile alle wichtigen Infos.“ Diese Dokumentation ist auf Englisch verfasst. Kein Problem für Michael, der nachliest, welche Bauteile für die Farbe zuständig sind und wo welche Spannung anliegen muss.
Viele Geräte der Unterhaltungselektronik werden heute in der Türkei oder in Fernost hergestellt. Klar, dass Dokumentationen und Handbücher in der Weltsprache für Elektrotechnik abgefasst sind: auf Englisch. Wie auch Programmieranleitungen für Computer, die Michael in der Ausbildung anzuwenden lernt. „Bei meiner Berufswahl war mir gar nicht klar, dass ich so viel mit technischem Englisch zu tun haben werde“, sagt der ehemalige Realschüler. „Aber wichtige Begriffe und englische Abkürzungen hatte ich schnell drauf – eben ,learning by doing’.“
Auch mal Telefonate und E-Mails auf Englisch
Michael erinnert sich an den Tag, als sein Kollege zum Hörer greifen und in China anrufen musste. Bei einer Reparatur kam er nicht weiter und musste sich Rat vom chinesischen Ingenieur holen, der das Gerät entwickelt hatte. „Auf Englisch ein Telefongespräch führen, eine E-Mail schreiben oder gar an einer englischsprachigen Schulung des Geräteherstellers teilnehmen – das macht kein Azubi und auch kein Informationselektroniker im ersten Gesellenjahr“, sagt Ausbilder Axel Opel. „Aber wer sich fachlich eingearbeitet hat und spezielle Geräte sehr gut kennt, kommt daran kaum vorbei.“ Neben ordentlichen Noten in Physik, Chemie, Deutsch und in Mathematik achtet der Betrieb bei Bewerbern deshalb auch auf Englisch. Noch etwas sei wichtig, betont Opel: „An der Reparaturannahme lernen unsere Azubis, von Kunden auch persönlich zu erfragen, wie sich der Defekt bemerkbar macht. Und an unserer Hotline muss man für eine Ferndiagnose die richtigen Fragen stellen und Kunden beschreiben, wie sie beim Bedienen der Geräte vorgehen sollen. Deshalb sollten sich Informationselektroniker auch auf Deutsch gut und verständlich ausdrücken können.“ (www.was-werden.de)